Händels Werke in zeitgemäßer Edition


Die HHA leistet einen wichtigen Beitrag zur modernen Händel-Forschung; ihr Ziel liegt darin, Ausgaben vorzulegen, die es ermöglichen, die Musik in authentischer Form aufzuführen. Alle bedeutenden Händel-Forscher unserer Zeit sind als Bandherausgeber, Mitglieder des Editorial Boards, der Redaktion oder als Berater der Ausgabe an ihr beteiligt. Für Werke, die Klavierauszüge und Aufführungsmateriale benötigen, arbeiten wir eng mit dem Bärenreiter-Verlag zusammen und die HHA beteiligt sich am Korrekturlesen. Die in allen Vorworten abgedruckte Aussage beschreibt unsere Herangehensweise: »Die Hallische Händel-Ausgabe (HHA) ist eine Kritische Gesamtausgabe der Werke Händels auf der Grundlage aller bekannten Quellen. Sie soll sowohl der Forschung als auch der Praxis dienen.«


Es gibt keine allgemeingültigen Regeln, wie moderne wissenschaftliche Ausgaben klassischer Komponisten ihr Material auswerten; jede Ausgabe hat ihren eigenen Stil und ihre eigene Philosophie entwickelt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie dem heutigen Nutzer ein Notentext präsentiert werden kann, der eigentlich nach anderen Notationsprinzipien entstanden ist. Auf der einen Seite steht der Versuch, so wenig wie möglich am Notenbild des Komponisten zu ändern, indem beispielsweise die Anordnung der Systeme innerhalb der Partitur (z.B. oben die Blechbläser, Oboen unter den Violinen), Ton- und Taktartenbezeichnungen, Einsatz von Vorzeichen und die Schreibweise des Textes in Vokalwerken beibehalten werden; also eine Wiedergabe in modernem Schriftbild, das nahe am Faksimile des Originals ist. Andererseits gibt es den Ansatz einer gänzlich modernen Darstellung: die Systeme werden so angeordnet, wie es heute in modernen Partituren üblich ist (die Holzbläser ganz oben u.s.w.), und es werden die üblichen Ton- und Taktartenbezeichnungen, Vorzeichen und Textunterlegungen verwendet. Überzeugende Argumente wurden und werden immer noch zugunsten der einen oder anderen Herangehensweise vorgebracht, die bisweilen zu Auseinandersetzungen darüber führen, welcher Ansatz der wissenschaftlichere ist.
Die HHA wendet den modernen Ansatz an, da die Musik eines so bedeutenden Komponisten häufig sowohl von Laien als auch von professionellen Musikern dargeboten wird, die keine Barockexperten sind und denen deshalb eine solche Darstellung angenehmer ist. Der Kritische Bericht muss natürlich umso detaillierter sein, je stärker wir den modernen Ansatz anwenden, weil es äußerst unwissenschaftlich wäre, nicht die originale Form der von uns veränderten Bestandteile zu zeigen. Ursprünglich sollten die Kritischen Berichte – vergleichbar der Neuen Bach-Ausgabe – in Einzelheften veröffentlicht werden, jetzt erscheinen sie in den Notenbänden.
Innerhalb einer Edition, deren Entstehung sich über viele Jahre erstreckt, sind kleine Änderungen in der Gestaltung auf Grund neuer Ansichten unvermeidlich. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Besetzungsangabe der Basso-continuo-Stimme: Händel bezeichnete sie nur selten, zuweilen mit B. oder Bassi, da er und seine Kopisten und Musiker genau wussten, welche Instrumente die Bass-Linie spielen sollten: Violoncelli, Kontrabässe und Fagotte, falls diese nicht bereits in einem eigenen System innerhalb der Partitur notiert waren, sowie Akkordinstrumente wie Cembalo, Orgel oder Laute. In früheren HHA-Bänden wurde die Bass- Linie mit Bassi bezeichnet und in Klammern folgte ein redaktioneller Vorschlag der möglichen Instrumente: (Violoncello, Contrabbasso, Fagotto, Cembalo). Letztendlich kamen wir zu dem Schluss, dass diese Vorschrift zu einschränkend ist, da beispielsweise nicht geklärt ist, welche Rolle die Fagotte in Händels Aufführungen übernahmen: spielten sie durchgängig, oder nur bei Tutti-Stellen und nicht in piano-Passagen? In neueren Bänden schreiben wir deshalb nur Bassi vor und erläutern im Vorwort, dass die Ausführenden die Feinheiten der Besetzung nach eigenem Ermessen entscheiden müssen. Ebenso geben wir bei Secco-Rezitativen und Continuobegleiteten Arien nur noch Continuo an, wo früher Continuo (Violoncello, Cembalo) stand.
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